Wir leben in einer Zeit, in der es viele Umbrüche und Erneuerungen gibt. Da heißt es, Altes, das uns nicht mehr dienlich ist, loszulassen, und das ist nicht selten mit Trauer und Schmerz verbunden. Ja, ich weiß, diese Gefühle willst du nicht unbedingt fühlen, weil sie dir vielleicht Unbehagen bereiten. Aber hast du schon ausprobiert, wie es dir geht, diese Gefühle zu unterdrücken oder nicht zu beachten? Geht es dir dann besser?

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Meine Erfahrung ist: Alle Gefühle zuzulassen und zu fühlen, bringt mich am schnellsten weiter, und zwar in die Richtung, in die ich wirklich gehen will. Dazu darf ich alles verwenden, was mich dabei unterstützt, durch unangenehme Gefühle hindurchzugehen. Und glaube mir, manchmal braucht es viel Üben von meiner Seite, um der Stimme meines Herzens klar zu folgen. Die letzten Wochen waren für mich so heftig, dass ich oft aus dem Üben überhaupt nicht mehr herauskam, weil so viel „alter, stinkender Müll“ nach oben kam, der einfach noch einmal von mir angeschaut und gefühlt werden wollte. Und auch wenn ich vom Verstand her weiß, dass es notwendig war und ist, war es keinesfalls angenehm.

Eine neue Sportart ist geboren: Das Wellenreiten der Gefühle. Klick um zu Tweeten

Um es ganz deutlich zu sagen, habe ich im wahrsten Sinne des Wortes die Wellen geritten, die gekommen sind. Und die Wellen kamen und kamen, um mich im Wellenreiten zu üben, bis ich Spaß daran fand. So ist das Leben nun mal – es bringt dir genau die Welle, die du brauchst, um auf deinem Weg weiterzukommen. Und da ich meinen Weg gerne mit Freude, Spaß und Leichtigkeit gehen will, ist das Wellenreiten der Gefühle zu einer neuen Sportart von mir geworden.

Was verstehe ich genau unter dem Wellenreiten der Gefühle?

Gefühle kommen und gehen, wir können sie genauso wenig festhalten wie die Wolken am Himmel oder die Wellen im Meer. In dem Moment, in dem ich ein Gefühl festhalten will, muss ich erkennen, dass es schon wieder weg ist und ein neues Gefühl sich ausgebreitet hat. Jetzt kann ich ständig den Gefühlen hinterherrennen und ihnen nachtrauern, weil sie mir schon wieder abhanden gekommen sind. Das ergibt aber wenig Sinn. Denn so bin ich ständig auf der Suche nach etwas, was schon längst vorbei ist. Viel mehr Sinn macht es, die Gefühle einfach so zu lassen, wie sie nun mal sind, und einen neuen Umgang mit ihnen zu lernen.

Wie du vielleicht schon am eigenen Leib erfahren hast, gibt es angenehme und weniger angenehme Gefühle. Wobei wir die angenehmen Gefühle gerne anhalten wollen und die unangenehmen wegzudrücken versuchen. Aber da, wie schon erwähnt, Gefühle im ständigen Wandel sind, können wir weder die einen festhalten noch die anderen wegdrücken. Wir können sie einfach fühlen und ihnen den Raum geben, den sie benötigen, um sich auszudehnen. Können sie sich ausdehnen, haben sie die Chance, sich aufzulösen und zu gehen. Eine Welle im Meer baut sich bis zu ihrer vollständigen Größe auf, um dann wieder im großen Ozean zu versinken. Und dieses Spiel geht endlos weiter, mal sind die Wellen kleiner, mal größer, mal angenehm, mal unangenehm – aber immer sind sie Teil des großen Ozeans. Und genauso wenig, wie du die Welle vom Ozean trennen kannst, kannst du die Gefühle vom Leben trennen. Deshalb empfehle ich dir, das Wellenreiten der Gefühle zu lernen.

Hier noch eine kleine, aber sehr effektive Übung, um deine Gefühle reiten zu lassen.

– Fühlen: Fühle das Gefühl als eine Körperempfindung und schaue, wo es im Körper sitzt.

– Küssen: Berühre die Körperempfindung mit deinem Atem von innen, als würdest du sie
küssen. So gibst du dem Gefühl Raum, um groß zu werden.

– Fließen: Jetzt hat das Gefühl Raum und kann fließen. Wenn wir Gefühlen erlauben       zu fließen, verändern sie sich sehr schnell.

– Jetzt kann ein neuer Moment kommen: Fühlen – Küssen – Fließenlassen.

Viel Freude beim Wellenreiten der Gefühle
Renate Wernet – die familienmacherin

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© Renate Wernet 2012